Aufarbeitung? #03 - Gezielte Manipulation
Aufarbeitung? #03 - Gezielte Manipulation
Über zehn Jahre lang schrieb und erstellte ich Inhalte für das gemeindeinterne Kindermagazin. Eine beliebteste Rubrik darin hieß „Finde den Fehler“. Zwei scheinbar identische Bilder, und doch unterschieden sie sich. Ein Stuhl fehlte oder ein Schatten war falsch. Diese Aufgabe würde für den folgenden Text auch passen. Hier jedoch nicht mit Bildern, sondern mit Worten. Und mit dem, was aus ihnen gemacht wird.
Hier zeige ich ein konkretes Beispiel gezielter Manipulation: Ein sachlich verfasstes Schreiben eines Arztes, selbst Mitglied der Christianer, der sich ehrlich und konstruktiv für mich als Betroffenen einsetzen wollte. Und die völlig verdrehte Reaktion der Führungsriege: Sie unterstellen mir zum einen, der Verfasser dieses Schreibens zu sein, und zum anderen, unredliche Absichten zu haben.
An dieser Stelle stellen sich entscheidende Fragen:
– Wie nennt man jemanden, der bewusst einen Sachverhalt verändert und diesen sogar schriftlich dokumentiert?
– Wie sicher muss sich jemand fühlen, und welches Selbstverständnis muss jemand haben, der so offensichtlich verdreht?
– Wie glaubwürdig ist eine Gemeinschaft, die solche Personen in leitender Funktion weiter unterstützt oder sogar schützt?
– Was soll mit dieser bewussten Verdrehung erreicht werden?
– Und wenn das Ziel darin besteht, das Opfer zu diskreditieren, wie redlich sind dann diejenigen, die solche Methoden initiieren?
Ich gehe hier genau diesen Fragen nach. Denn Wahrheit erkennt man oft nicht im großen Ganzen, sondern an den gezielten Verschiebungen.
Das Schreiben eines Arztes, selbst Mitglied der Christianer
(sinngemäße Wiedergabe)
In dem Schreiben des Arztes ging es um einen sachlichen und klar formulierten Appell. Er wandte sich an den Christian Advokaten der Gemeinschaft, um sich für mich als Betroffenen einzusetzen und die Kommunikation zu verbessern.
Der Arzt, selbst Mitglied der Christianer, schilderte, dass er als Arzt tätig sei, sich mit der Behandlung psychischer Erkrankungen befasse und sich sowohl medizinisch als auch menschlich für einen respektvollen Umgang einsetze. Er betonte, dass aus seiner Sicht der Schutz des Opfers oberste Priorität haben müsse und dass er die Rolle eines vermittelnden Beistands unentgeltlich übernommen habe.
In dem Schreiben verzichtete er bewusst auf moralische oder theologische Bewertungen und konzentrierte sich ausschließlich auf den Aspekt des Opferschutzes. Zudem machte er unmissverständlich deutlich, dass er mich zunächst zu einer Zusammenarbeit mit dem Christian-Advokaten überreden musste, was ihm schließlich auch gelang. Er erklärte außerdem, dass meine Zurückhaltung gegenüber der sogenannten Vereinbarung nicht auf mangelnde Bereitschaft zurückzuführen sei, sondern auf nachvollziehbare Bedenken: Sicherheitsrisiken, fehlende Neutralität und eine unausgewogene Verteilung von Verantwortung innerhalb der Gemeinschaft. Er führte auch an, dass ich mich mit meiner Nichtteilnahme an Veranstaltungen an ärztlichen Rat gehalten habe. So viel zum Inhalt des Schreibens.
Die Antwort des Christian-Advokaten
(sinngemäße Wiedergabe)
In seiner Antwort schrieb der Christian-Advokat sinngemäß, dass ich mich erneut direkt an ihn gewandt hätte, obwohl er nach eigener Aussage bereits mehrfach deutlich gemacht habe, dass jegliche direkte Kontaktaufnahme künftig zu unterlassen sei.
Ein solches Vorgehen, so seine Einschätzung, sei der Sache nicht dienlich und zeige, dass ich mich über seine Anweisungen hinwegsetze. Er äußerte zudem den Eindruck, ich würde die Schreiben und Mitteilungen der Gemeinschaft nicht ausreichend beachten oder sogar ignorieren. Abschließend stellte er klar, dass es sich bei dem Christianer, der das Schreiben verfasst hatte, nicht um einen unabhängigen oder außenstehenden Beistand handele, sondern um ein Gemeindemitglied.
Wenn man die Schreiben wie Bilder miteinander vergleicht, würde man auf folgende Fehler stoßen:
Fehler 1: Falsche Beschuldigung
Die Christianer behaupten, ich selbst hätte dieses Schreiben verfasst. Doch das Schreiben stammt nachweislich von einem anderen, einem Christianer, einem Arzt und jemandem, der mich unterstützen wollte.
Warum diese Lüge? Weil sie mich angreifbar machen soll und mich zum alleinigen Gegner. Eine klassische Täter Opfer Umkehr mit dem Ziel, Schuld umzulenken und meine Redlichkeit zu untergraben.
Fehler 2: Missachtung eigener Richtlinien
Öffentlich betonen die Christianer, dass Betroffene einen Beistand selbst wählen dürften. In der Realität aber gilt: Sobald dieser Beistand unbequem wird, gelten andere Regeln.
Warum? Weil eine unabhängige Stimme gefährlich wird, vor allem dann, wenn sie die falschen Fragen stellt.
Fehler 3: Ablenkung vom Inhalt
Die Antwort der Christianer geht mit keinem Wort auf die Inhalte des Schreibens ein, obwohl es zwölf Seiten umfasste. Es enthielt konkrete Vorschläge, wie mit mir und dem Täter umgegangen werden könnte und was für uns als Familie tragbar gewesen wäre. Aber: Kein Wort über Opferschutz. Kein Wort über die Vereinbarung. Kein Wort über die Sicherheitsbedenken.
Stattdessen: Personalisierung, Diffamierung und Ablenkung.
Das Ziel: Nicht den Inhalt widerlegen, sondern den Absender diskreditieren.
Fehler 4: Verdrehung der Rollen
Der Beistand wird als „nicht außenstehend“ bezeichnet, als wäre er eine Art Erfüllungsgehilfe. Dabei handelte er auf eigenen Wunsch und ist selbst ein Christianer.
Die Absicht: Unterstützung delegitimieren, den Kreis des Vertrauens klein halten und Kontrolle behalten.
Keine Missverständnisse, sondern gezielte Manipulation
Hier wurde nicht zufällig falsch verstanden. Hier wurde gezielt manipuliert, schriftlich und mit klarem Kalkül. Wer bereit ist, offensichtliche Tatsachen umzudeuten und diese Umdeutung sogar dokumentiert, der irrt nicht. Der lügt. Und wer solche Lügen deckt, stellt sich nicht auf die Seite der Wahrheit, sondern auf die Seite der Verdrehung.
Wenn Lügen keine Scham mehr kennen – Dummheit oder Kalkül?
Ich frage mich: Wie kommt jemand dazu, so leicht nachprüfbare Unwahrheiten zu Papier zu bringen, die sich in wenigen Minuten widerlegen lassen? Ist das Dummheit? Nein. Es ist ein Signal.
Ein Signal an das Opfer und an alle, die es unterstützen:
– „Wir bestimmen, was zählt.“
– „Wir haben die Deutungshoheit, nicht du.“
– „Wir lügen, weil wir es können.“
Solche Lügen entstehen nicht aus Unsicherheit. Sie sind ein Machtinstrument. Es ist das Kalkül derer, die wissen: Selbst wenn wir lügen, wird uns niemand zur Rechenschaft ziehen.
Die erschütternde Erkenntnis
Ein sachlicher und unterstützender Brief wird in einen persönlichen Angriff uminterpretiert. Es ist ein zielgerichtetes Manöver. Denn wer die Wahrheit nicht widerlegen kann, versucht, sie umzudeuten. Im Zentrum dieser Strategie stehen vier Mechanismen:
• die bewusste Falschdarstellung eines klaren Sachverhalts
• die Missachtung eigener Richtlinien
• die Verdrehung der Rollen von Unterstützer und Opfer
• die Ablenkung vom Inhalt durch den Angriff auf die Person
Aber was soll mit dieser Lüge erreicht werden?
Die Antwort ist einfach und verstörend: Das Opfer soll entwertet werden, der Unterstützer diskreditiert. Eine berechtigte Kritik soll unterbunden werden, ohne sich mit der Sache beschäftigen zu müssen. Und all das im Namen einer Gemeinschaft, die vorgibt, auf Wahrheit gegründet zu sein. Doch Wahrheit, die verdreht wird, ist keine Wahrheit mehr. Sie ist eine Lüge im Gewand der Redlichkeit, ein Etikett auf der Täuschung.
Was sagt die Bibel zu denen, die genau dies tun?
In den Zehn Geboten heißt es:
„Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.“
(2. Mose 20,16)
Und dennoch ist genau das hier bewusst, schriftlich und systematisch geschehen. Und weiter heißt es:
„Ein falscher Zeuge bleibt nicht ungestraft,
und wer Lügen redet, wird nicht entkommen.“
(Sprüche 19,5)
Ein klareres Schlusswort könnte man kaum geben. Denn wer Wahrheit bewusst verdreht, stellt sich nicht nur außerhalb jeder Verantwortung, er verlässt auch das Fundament, auf das er sich selbst beruft.



















